Projekt

„miasin zam“

Schon im Namen treffen Kulturen aufeinander und doch klingt es vertraut und harmonisch. „miasin“ (armenisch für „zusammen“) und „zam“ (als bayrischer Ausdruck für etwas „Gemeinsames“) geben den Grundakkord des Musikprojektes wieder, das im Rahmen des Erlanger Flüchtlingsvereins EFIE e.V. Ende 2013 ins Leben gerufen wurde. Die Idee des Projektes besteht darin, Flüchtlingen welche in ihrer Heimat bereits professionell musizierten die Gelegenheit zu geben, ihre Musik wieder spielen zu können und neue Musikstile kennen zu lernen. Dabei spielen sie gemeinsam mit einheimischen Musikern und treten als Band zu verschiedenen Anlässen auf.

Mittlerweile treffen sich Musiker aus dem Iran, Armenien, Kuba, Ägypten, Georgien, der Ukraine und Erlangen regelmäßig zu Proben und erarbeiten in entspannter Atmosphäre ein multikulturelles Repertoire. Und das reicht von Volksliedern aus den Heimatländern über bayrisches Liedgut von Haindling, bis hin zu Klassikern aus der Popmusik, neu interpretiert und arrangiert. Darüber hinaus komponieren wir eigene Lieder, in die dann verschiedene Musikrichtungen einfließen.

„Miasin Zam“ tritt regelmäßig auf. (Eine Liste der Auftritte finden Sie unter Planung)

Zentrale Elemente des Projektes sind:

  1. Neben dem Musizieren die gemeinsame Zeit für den Austausch untereinander. Sprachbarrieren werden leicht überwunden und das Interesse füreinander und für die verschiedenen Musikrichtungen verbindet.
  2. „miasin zam“ auch ein politisches Statement, da es zeigen will welche Talente und welch großes Potential in den Menschen steckt, die zu uns nach Bayern kommen.
  3. Auf lange Sicht möchte das Projekt den Musikern die Möglichkeit bieten wieder als Künstler arbeiten zu können.

Mehr Informationen finden Sie in der ausführlichen Projektbeschreibung!

Projektbeschreibung – ausführlich (FAQ):

Was machen wir und für wen?
Die Band „miasin zam“ („miasin“ ist armenisch und bedeutet „gemeinsam“)vereint deutsche mit geflüchteten MusikerInnen sowie Musikern mit Migrationshintergrund aus sieben Ländern. Gemeinsam erarbeiten sie seit Ende 2013 ein internationales Repertoire, das sie bei Auftritten präsentieren. Durch diese Außenwirkung wird die Öffentlichkeit ebenfalls zur Zielgruppe.

Was sind unsere Aktivitäten?
Zu den Aktivitaten des Projektes zählen: das gemeinsame Musizieren traditioneller Lieder aus den Heimatländern und das Erarbeiten eigener Kompositionen in regelmäßigen Proben; die Organisation professioneller Instrumente; die Produktion professioneller Tonträger; regelmäßige öffentliche Auftritte, um den MusikerInnen die Möglichkeit zu bieten, ihrem Beruf (ihrer Berufung) wieder nachzugehen; die Betreuung der geflüchteten MusikerInnen bei ihren alltäglichen Belangen (Asylverfahren, Sprache, Umzug, Jobsuche, etc.). Darüber hinaus unternimmt die Gruppe Ausflüge oder geht gemeinsam Essen.

Wie finanzieren wir uns?
Über Spendengelder werden Instrumente und Equipment für eine Musikanlage gekauft. Die Gagen gehen zum Teil an die geflüchteten MusikerInnen (die deutschen spielen ehrenamtlich) und zu einem Teil in die Finanzierung der Anschaffungen.
Bisher konnten wir für ca. 4000€ Instrumente und Equipment anschaffen, wir benötigen aktuell ca. 8000€ für den Kauf einer vernünftigen Anlage.
Wenn die Anschaffungen getätigt sind soll ein Topf zur Förderung von Musikunterricht für sozial schwache Kinder eingerichtet werden, da es ein besonderes Anliegen der MusikerInnen ist, dass Musik für alle zugänglich ist und sich Initiativen nicht nur auf die Flüchtlinge konzentrieren.

Wer engagiert sich bei uns?
Die 13 MusikerInnen sind zwischen 18 und 50 Jahre als, sie kommen aus:
Deutschland (3x), Armenien (2x), Kuba (3x), Iran (2x), Ägypten, Georgien, Ukraine.
Beruflich reicht das Spektrum von leitenden Siemensianern über Gymnasiallehrer bis hin zu Flüchtlingen in Ausbildung oder in prekären Arbeitsverhältnissen, sowie geflüchteten Musikern mit Grundsicherung.
Ein sich stets erweiternder Unterstützerkreis hilft bei der Organisation und der Betreuung der Flüchtlinge.

Was haben wir erreicht?
Seit Juli 2015 spielte „miasin zam“ mehr als 15 Auftritte z.T. vor 1200 Zuhörern, war im Programm von Bayern 2 zu hören und trat im Bayerischen Landtag auf. Die erste CD „Schmelztiegelmusik“ wurde bereits 400 Mal verkauft.
Zu den Unterstützern gehören auch der Bayerische Innenminister Herrmann und der Erlanger OB Janik. Für 2016 sind mind. 12 weitere Konzerte geplant, sowie eine weitere professionelle CD-Aufnahme jetzt im April/Mai. Im Juni findet das erste große komplett eigenständige Konzert im Markgrafentheater Erlangen statt.
Das Wichtigste aber, das wir erreicht haben ist, dass Menschen eine Perspektive und eine Heimat bekommen haben. Das größte Kompliment war, dass uns Musiker als ihre zweite Familie bezeichneten.

Mit wem kooperieren wir?
Zu vernetzten Initiativen und Partnern gehören neben EFIE e.V. die Friedensgemeinde Sant Egidio München, Theater Neunerplatz in Würzburg, VINTYS Erlangen (projekt hoffnung e.V.), Musikzentrale Nürnberg, Chorgemeinschaft Frauenaurach, Siemens AG, BR, Thomann Musikhaus, Bürgerstiftung Erlangen, Ausländerintegrationsbeirat Erlangen, Open Mind Festival Gräfenberg, Straßenkreuzer Nürnberg e.V., Religionspädagogisches Zentrum Heilsbronn, Stadt Erlangen, Uniradio FAU Erlangen, uvm.
Da das Projekt in diesen Monaten eine nicht geplante Dynamik entwickelt, ist es gut vorstellbar, dass „miasin zam“ künftig größere Auftritte auf Festivals spielt und in den öffentlich-rechtlichen Medien präsent ist.

Was bedeutet Engagement bei „miasin zam“?
Aus einer privaten ehrenamtlichen Initiative heraus entstand mit „miasin zam“ ein Projekt, das in vielen Dimensionen wirkt. Neben der musikalischen Koordination investieren die Mitglieder viele Stunden in die Betreuung der MusikerInnen. Ein Auftritt erfordert mind. 3-4 Std. Vorarbeit. Auf- und Abbau im heimischen Probenraum für die Konzerte erfolgt meist nachts. Die Proben im Kellerraum werden auch als Treffpunkt und als Einladung in die Privatsphäre verstanden und enden gelegentlich mit gemütlichem Beisammensein. Aus den Schicksalen, denen die deutschen Musiker beim Umgang mit den Flüchtlingen ausgesetzt sind ergibt sich als logische Konsequenz die Selbstverständlichkeit von Hilfe und Unterstützung.
Die Ressourcen, die ein Mittelständler für Integration und Engagement zu Verfügung hat sind Zeit und Sympathie. Bei „miasin zam“ ist es für alle Beteiligten normal, diese Zeit nicht (nur) in das eigene Wohlbefinden sondern auch in die Mitmenschen zu investieren.

Wie funktioniert Integration bei uns?
„miasin zam“ wirkt nach innen, in dem es Migranten und Flüchtlingen hilft, sich in der Gesellschaft zu verorten. Das Erarbeiten der Musik schafft Verständnis für die andere Kultur und fremde Sprachen (die MusikerInnen singen gemeinsam in mehr als 10 Sprachen). Bei den eigenen Kompositionen werden Elemente der Kulturen zusammen gebracht und kreativ aufgearbeitet. Alltägliche Hilfe bei der Integration (Betreuung) sowie finanzielle Unterstützung sind essentieller Bestandteil des Projekts. Die Möglichkeit für die professionellen Künstler, wieder zu musizieren stärkt das Selbstbewusstsein und holt sie aus der Anonymität deutscher Bürokratie. Durch die wöchentlichen Proben finden die oft traumatisierten und psychisch stark belasteten Flüchtlinge Ventile und Momente der Freude und Ausgelassenheit. Durch gemeinsame Aktionen wie Essen, Stadtführungen, Ausflüge und natürlich das Musizieren entsteht eine Eingebundenheit in eine Gemeinschaft, die einige Musiker bereits als „Familie“ bezeichnen. Sorgen und Freuden werden gleichermaßen geteilt.
Nach außen wirkt das Projekt durch die klare Botschaft (auch durch die Liedtexte), dass nach Deutschland auch talentierte Menschen kommen, die unsere Gesellschaft bereichern. Fremde Kulturen (Rhythmen, Lieder, Sprachen) werden zum Bestandteil einer pluralen Gesellschaft. Die fröhlich positive und unbeschwerte Stimmung bei den Konzerten möchte einen Gegenpol zu der permanenten Problematisierung der gesellschaftlichen Situation bilden, ohne dabei Probleme zu verharmlosen. In den Kompositionen über Liebe, Freundschaft und Glück will die Band ausdrücken, dass bei allen Unterschieden, welche offensichtlich da sind die großen Lebensthemen überall gleich sind und uns zu einer großen Gemeinschaft machen.

Warum sind wir ein besonderes Projekt?
Musik eignet sich hervorragend zur Integration, da immer etwas Gemeinsames entsteht. „miasin zam“ geht weit über Singkreise oder Trommelgruppen (welche ein wichtiger und sinnvoller Ansatz zur Integration sind) hinaus, da die Band auf hohem künstlerischem Niveau arbeitet. Alleinstellungsmerkmal ist, dass das Projekt sehr intensiv aber dennoch ausschließlich durch ehrenamtlich erbrachte Arbeitsstunden von berufstätigen Mittelfranken gestemmt wird. Es zeigt deutlich, wie viel Engagement in unserem latent zeitverknappten Alltagsleben möglich ist. Das Projekt nimmt Flüchtlinge mit ihren Talenten wahr, hat aber das erklärte Ziel, sich nicht darüber zu definieren, sondern als Musikgruppe, die Menschen durch ihre gute Musik begeistert. Auch durch die Durchmischung der Musiker in Alter, Migrationsstatus (Manager bei Siemens aus Ägypten, Mutter mit deutschem Mann und Familie aus Georgien, Flüchtlinge in unterschiedlichen Stadien des Verfahrens), Beruf, Herkunft und musikalischer Vorbildung ist ein besonderes Kennzeichen.
Eine Konzeption eines ähnlichen Projekts ist übertragbar auf andere Städte und Regionen.

Wie nachhaltig sind wir?
Da das Musikprojekt bereits seit 2013 besteht und aktuell viele Weichen für ein künftiges Weiterbestehen stellt wird „miasin zam“ auch in den nächsten Jahren noch eine Anlaufstelle für Musiker sein. Durch die hohen Investitionen in Instrumente und Equipment werden Voraussetzungen geschaffen in Zukunft eigenständig aufzutreten und sich durch Gagen und CD-Verkäufe  zu finanzieren. Somit ist die Abhängigkeit von permanenten Geldgebern oder die Bereitstellung von Räumlichkeiten nicht gegeben.